Der Weg des Künstlers
Vita >>>>

Draht wurde im Laufe der neunziger Jahre ein Teil meines Lebens: Ich entwickelte ein Interesse, dreidimensional zu arbeiten, nach Jahren meist photographischen Schaffens. Draht war billig. Die einzigen notwendigen Werkzeuge für diese Hand-Arbeit waren ein Paar Drahtschneider und ein wenig Geduld... Und das Beste daran: Ich konnte es tun, wo immer ich war.

Häkeln ist eine Fertigkeit, die ich zuerst bei meiner Großmutter erlernte, ein Teilhaben an  Traditionen. Ich begann das Häkeln neu, als Erwachsene, im April 2000, inspiriert durch die Hingabe und Passion einer jungen Frau zu dieser Kunst.

Drahthäkeln war ganz selbstverständlich die logische Erweiterung meines künstlerischen Programms, Metall und Draht durch handwerkliche Techniken wie Nähen, Biegen oder Flechten weicher zu machen.

Die meiste meiner Häkelarbeit übe ich an sozialen, öffentlichen Plätzen aus. Und, wie es gewöhnlich in jenen Witzen über Topflappen heißt, kommt das „kann ich das mal anfassen“,  ein „das ist aber anders, weicher als ich dachte“,  oder  auch „du könntest ja mal...“, „warum machst du nicht mal das...“, „was soll das werden“, „hast du davon schon gehört“  und „ich kenn’ da jemanden, der...“...Konversationen über Geduld und Kraft, Zeit und Tradition.

Es war interessant zu erfahren, wie das Häkeln von Draht im öffentlichen Raum wie eine chaotische Attraktor für Gespräche und Ideen wirkte, glitzernd und funkelnd wie der Draht von tanzenden Fingern fortdauernd gestoßen, verhakt, umschlungen und gezogen wird.

Und wie mit so vielen Ideen, die ihr eigenes Leben entfalten, hat Kraft durch Häkeln seinen Namen durch einen Witz erhalten, als ein deutscher Freund sah, welche Muskeln ich mir durch das Drahthäkeln angeeignet hatte – „Kraft durch Häkeln“ eine spöttische [spaßhafte]  Anspielung auf die Kraft durch Freude -Organisation, die denen, die unter dem Dritten Reich lebten, soziale Vergünstigungen anbieten sollte.

Das Häkeln an den hier vorgestellten Arbeiten formt die Muskulatur weiterhin. Aber es sind die Witze, die Redewendungen, die „du könntest doch...“, die „hast du nicht mal daran gedacht...“ und „warum machst du nicht...“, die meine Fantasie freisetzen und Freude und Kraft bringen.

Meinen tiefempfundenen Dank an all die Musen...
Amy J. Klement

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